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Riots im Norden Irlands vor und nach loyalistischen Paraden!

The 12th. (der Zwölfte) des Julis ist in den 6 Countys Irlands immer ein spezieller Tag. Dieses Datum nützen loyalistische und unionistische Parteien, Organisationen und vor allem der Oranie Orden (welcher beiden Richtungen ein wohl behütetes Dach bietet) um ihre Überlegenheit in Form von provokativen Paraden zu demonstrieren. Im Gegensatz zu republikanischen (pro-irischen) Umzügen, genügt es den TeilnnehmerInnen nicht durch ihre eigenen Viertel zu marschieren. Nein, alljährlich werden republikanische Viertel und Enklaven für sich beansprucht. Obwohl sich eine Mehrheit der entsprechenden Bevölkerung gegen diese Aufmärsche äussert. Der 12. dient den Loyalisten als eine weitere Manifestation ihrer Überlegenheit. Gegen den Willen der republikanischen Bevölkerung wir durch deren Viertel marschiert. Die Umzüge haben in der Vergangenheit zu erheblichen Protesten innerhalb der betroffenen Viertel geführt. Die „schlimmsten“ Widerstände gab es (in der Geschichte des Karfreitagsabkommens) 2005, wo es zu grossen Riots kam und dabei 80 Polizisten verletzen wurden.

Dieses Jahr herrschte 3 Tage lang Alarmstuferot in den republikanischen Vierteln. Der „Zwölfte“ fand an einem Sonntag statt. Jedoch wurden mehrheitlich alle grossen Paraden auf den Montag verschoben. Dies hiess für die BewohnerInnen republikanischer Viertel 3 Tage lang die Augen und Ohren offen halten. Normalerweise kommt es am 11. und am 12. zu Übergriffen von loyalistischen Mobs auf republikanische Viertel bzw. Häuser. Dieses Jahr wurde dem sekretiererischen Mob noch ein Tag mehr gewährt. Dementsprechend war die Alarmbereitschaft in den betroffenen Vierteln um einiges höher.

Nicht überraschend gab es an den ersten Tagen auch einige Angriffe auf republikanische Viertel. Im Gegensatz zu den letzten Jahren haben die BewohnerInnen der Viertel militant reagiert und agiert. Im Vorfeld gab es zahlreiche Bombenwahrnungen in Derry, Belfast u.a. (Samstag) diese Wahrnungen haben den öffentlichen bzw. den Arbeits-Verkehr lahmgelegt. In Derry wurde die Hauptverbindungsbrücke für 24 Stunden gespert. Am Wochenende gab es zudem einen Angriff mittels Rohrbombe auf die Polizeistation in Strabane. Im County Fermanagh verübte eine IRA (im deutschen Medien gebrauch) Splittergruppe eine Strassenkontrolle. Im County Donegal gab es auf einer Marschroute Sprays mit Slogans wie: Brits out! Up the Ra und IRA. Am Montag gab es in Ardoyne (Belfast) Riots inkl. Schuss auf die Polizei (Schuss wurde von Augenzeugen bestätigt bzw. auch nicht gehört). Bei den Riots wurden mehrere Bullen verletzt. Die Polizei setzte die äusserst gefährlichen Gummigeschosse (diese haben in den 6 Countys schon 17 Tote verursacht) und Wasserwerfer ein. Zudem gab es kleine Riots in Derry und Armagh u.a. In Armagh gab eine kleine Explosion (kontrollierte Explosion durch die Bullen) inkl. Riots. In Armagh wurde zudem ein Volunteer der IRA (wiederum einer Splittergruppe) in voller Uniform bei den Barrikaden gesichtet, dieser beschützte/“behütete“ die Rioters mit einem AK-47.

Als Nachtrag empfehlen wir folgende Texte und noch den Tag davor vom peaceline Blog.

Armagh

Ardoyne 1

Ardoyne 2

Ardoyne 3

Free Terry McCafferty!

Nach dem der Süden Irlands es nicht geschafft hat, 4 Mitglieder des 32 County Sovereignty Movements die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation nach zu weisen, wurde rasch ein nächstes Opfer gesucht und gefunden. Terry McCafferty aus Belfast kam, nach dem er die Hälfte seiner Haftstrafe verbüsst hatte, am 21. November frei. Doch diese Freiheit dauert nur einen knappen Monat. Kurz vor Weihnachten wurde Terry am Belfaster Flughafen verhaftet und sitzt seit dem wieder in Haft. Einen Grund haben die Behörden noch nicht geliefert. Die Vermutung, dass es sich um eine Schikane gegenüber einem überzeugten Republikaner handelt liegen nahe. Terry wurde, nichts ahnend, nach einem Ferienaufenthalt in Spanien bei einer gewöhnlichen Passkontrolle mitgenommen. Es könnte sein, dass Terry nun nochmals 2 Jahre absetzten muss (entspräche 2/3 der Strafe). Nur weil Terry seine politische Einstellung nicht geändert hat, darf er nicht länger in Haft bleiben! Diese Vorgensweise der Polizei und Behörden muss aufhören!

GegnerInnen des Karfreitagabkommens haben es weder im Süden noch im Norden Irlands leicht. Überwachungen, Hausdurchsuchungen usw. sind ein ständiger Begleiter bei ihren politischen Arbeiten. Die Schikanen richten sich meist gegen politische Exponenten der einzelnen Parteien. Die Verhaftungen bzw. Befragungen finden immer im Zusammenhang mit angeblichen IRA (gemeint sind die Splittergruppen, RIRA und CIRA) Aktivitäten statt. Es geht vordergründig darum die Leute einzuschüchtern und zu diskredieren. Im Süden ist es für die Behörden ein leichtes Spiel unerwünschte Personen für mindestens 5 Jahre weg zu sperren. Falls höhere Polizeibeamte der Meinung sind die betreffende Person sei Mitglied in einer illegalen Organisation (gemeint ist die IRA), reicht dies häufig schon um vor einem spezial Gericht verurteilt zu werden.

Obwohl der Süden Irlands und die britische Regierung alles versuchen, um die noch aktiven IRA Gruppen zu zerschlagen, haben die Anschläge und Aktionen erstaunlicher Weise zugenommen. Die RIRA (eigentlich ein Medien Name, die Gruppe nennt sich Oglaigh na hEireann = Irish Repulikanische Armee, bei einer Strassenpatrouille im Süden Armaghs wurde nachfragenden Menschen gesagt, sie seien von der IRA von der richtigen IRA, daher kommt der Name) hat sich im Neujahrscommuniqué auch realistisch gezeigt und gemeint, dass es noch ein langer Kampf sein werde bis zu einem freien und vereinten Irland. Äusserst interessant ist auch eine ziemliche Kritik an der katholischen Kirche, welche in den letzten Jahren eher weniger in Communiqués geäussert worden ist. Nachzulesen ist das Statement hier.

Zudem verzeichnen die politischen Parteien einen stetigen Zuwachs. Es werden ständig neue Ortsgruppen gegründet und die Anzahl der Aktivitäten hat sich klar gesteigert. Man darf gespannt sein, wie sich diese Entwicklung in der nächsten Zeit fortsetzten wird.

Interview mit Marian Price bei einem Protest (gegen die Inhaftierung von Terry McCafferty) in der Falls Road (Belfast)

Video mit Fotos von den Aktionen in Belfast und Derry inkl. Teil des obigen Interviews(Musik: „No time for love“ gesungen von Gary Og)

Regelmässige Infos (hauptsächlich über die Aktivitäten von Republican Sinn Fein) auf Deutsch gibt es unter folgendem Blog.