Archiv für Februar 2010

E-Sport under Attack!

Die Attacken auf die Spieler von Spielen mit Gewaltdarstellung nehmen nicht ab, und Verbots-forderungen erleben ihre Höhepunkte jeweils wenn ein Amokläufer durchdreht und bei ihm zuhause ein Videospiel wie Counter-Strike gefunden wird. Das game wird zum Sündenbock, die Thematik emotional ausgeschlachtet. Das es die Medien dabei mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, ist unlängst klar. Es gibt aber auch z.T. heftige Kritik innerhalb der Game-Community, welche sich an Programmierern stört, die solche Diskussionen provoziert. Früher warens die Filme, heute sind die Spiele das Verbotsobjekt.

Die Nachwehen solcher Forderungen erleben wir nun in parlamentarischen Vorstössen: eine Bundesrätliche Komission verlangte auf Druck von Politikern nun, das der Bundesrat sich den spielen annehmen müsse. In einer Motion von Alleman Ivi, verlangt diese nun krasse Methoden:

Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament eine gesetzliche Grundlage vorzulegen, die es erlaubt, die Herstellung, das Anpreisen, die Einfuhr, den Verkauf und die Weitergabe von Spielprogrammen zu verbieten, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen

siehe auch: Parlament-Text
Was mit grausam gemeint ist, ist wieder so ein ‚Gummi-Ding‘, das wohl nach belieben ausgelegt wird. Tönt gut für Famielienfreundliche Politiker, ist aber ein de facto Shooter-Verbot, den jedes Schiessen auf Personen ist doch im Prinzip ‚grausam‘ (wenn mans so nehmen will).

Der Nationalrat hat die Motion bereits angenommen, nun kommt sie vor den Ständerat. Der Bundesrat empfiehlt die Ablehnung.

Gegenwind ist langsam aber sicher auch von den Gamern zu spüren, so haben sich viele in dem Verein „Gamerights“ engagiert und kämpfen dort für ihr Recht zu spielen. Als Reaktion auf die Parlamentsdebatte um Killerspiele, ist neu auch ein Bündnis geschaffen worden, das gegen diese Attacken mit einer Petition Unterschriften sammelt.

Bitte unterstützt die Petition gegen das Verbot mit eurer Unterschrift auf www.pro-jugendkultur.ch

Randnotiz: Auch in Deutschland wird gegen solche Verbote mobilsiert und auch demonstriert

Trennung zwischen Kirche und Staat im Kanton Wallis (Teil 1)

Um die Problematik zu veranschaulichen wird nun auf bekannte und aktuelle Fälle eingegangen.
Es werden bewusst keine genauen Orte genannt. So viel sei jedoch gesagt, die meisten Beispiele spiel(t)en sich in den grösseren „Talgemeinden“ ab. In den „Berggemeinden“ herrschen teilweise noch schlimmere Zustände, bzw. wird mit Kritik an der Kirche äusserst vorsichtig umgegangen.

Bereits im Kindergarten werden die folgsamen Kinder auf die Religion (d.h. römisch katholische Kirche) vor bereitet. So findet jedes Jahr der St. Martins Laternenumzug statt. Am besagten Tag laufen die KindergärtnerInnen mit Lampions durch die Strassen und singen (noch keine offensichtlichen Kirchen-) Lieder. Der Umzug endet traditionell bei der örtlichen Kirche. St. Martin wird als Helfer der Armen und Schwachen ins Gedächtnis der Kinder eingeprägt. Neben den alljährlichen Weihnachtskrippenspielen, ist dies mehr oder weniger der einzige Bezug zur Kirche welcher den Kindern vermittelt wird. Diese relative harmlose Handhabung ändert sich aber schlagartig. Nach zwei „beschaulichen“ Jahren dürfen sich die meisten Kinder freudig in die 1. Primarklasse einschulen lassen. Hier jedoch hört der Spass endgültig auf.

Auf die autoritäre Schulbildung im Allgemeinen wird hier nicht weiter eingegangen, jedoch steht diese in einem guten Einverständnis mit dem Religionsunterricht.

Ab der ersten Klasse werden die SchülerInnen gezielt an die römisch katholische Kirche herangeführt. Falls dies nicht durch die elterliche Erziehung erfolgt ist, werden die Kinder spätestens jetzt Jesus, Gott usw. kennen lernen. In den ersten 2 Jahre Religionsunterricht werden Gebete gesprochen, religiöse (sehr viele) Lieder gesungen religiöse Zeichnungen gemalt usw. Der Unterricht erfolgt im „ideal“ Fall durch die KlassenleherInnen, mehrheitlich aber durch Kirchenfreiwillige (z.B. Nonnen, PastoralassistentInnen usw.).
Die Kinder werden in ihrem gutgläubigen Wesen gemächlich, aber mit gewissem Druck an die Religion heran geführt. So weit so schlecht. Die weitaus erschreckendere Tatsache, in gewissen Gemeinden werden die Kinder schon zu diesem Zeitpunkt gezwungen eine Gottesdienst zu besuchen. An diesen Gottesdiensten wird (noch) keine heilige. Kommunion vergeben, aber der Rest des kirchlichen Programms fehlt keineswegs.

Richtig los geht es für alle getauften Kinder ab der 3. Klasse. Im Wallis erfolgt in diesem Schuljahr die heilige 1. Kommunion. Ein wichtiges Ereignis für die Kuttenträger. Den zum 1. Mal bekennen sich die kleinen Schäfchen selbständig zur heiligen, römischen katholischen Kirche.

Die wenigen glücklichen Kinder, mit fortschrittlichen (oder andersgläubigen) Eltern, können sich von diesem Elend befreien, sofern ihr Einverständnis geben. Dies bedeutet für die Kinder aber keine Geschenke, im Gegensatz zu den mindestens 90% der KlassenkameradInnen. In diesen jungen Jahren ein grosses Plus für die Kirche. Während den Vorbereitungen bzw. Einübungen für die 1. Kommunionsfeier gilt trotzdem Präsenzpflicht für alle (d.h. auch für die nicht betroffenen). Während den Religionsstunden gilt es zu hoffen auf eine „gute“ Lehrperson, ansonsten herrscht extra religiöses Programm für die gesamte Klasse (siehe weiter unten).

Für die erwartungsvollen 1. KommunikantInnen gilt es im Religionsunterricht alles zu geben. Der Gemeindepfarrer höchst persönlich führt (vielfach auch im Jahr zu vor, d.h. Im 2. Primarschuljahr) durch den Unterricht! Die Schäfchen wollen natürlich dem Hirten gefallen und strengen sich an. Doch die wichtige Feier wird nicht nur mit Hilfe der Religionsstunden vorbereitet. Auch im Musikunterricht werden fleissig Kirchenlieder gesungen. Hauptsächlich die Lieder, welche an der 1. Kommunionsfeier gesungen werden, jedoch nicht nur diese Kirchenlieder. Die wunderbare Feier muss natürlich auch geprobt werden. Hierbei fallen mehrmals andere Schulfächer zu Gunsten der Proben aus.

Beim ersten eigenständigen Bekenntnis zur Kirche wird nichts dem Zufall überlassen. Häufig helfen die KlassenlehrerInnen fleissig mit. So gibt es Montags (immer noch) die Standartfrage, wer denn alles am Wochenende in der Kirche war. Die („guten“) gutgläubigen SchülerInnen dürfen brav die Hände in die Höhe strecken. Die („schlechten“) ungläubigen SchülerInnen fragen ihre Eltern vorwurfsvoll, warum die Familie am Sonntag nicht die hl. Messe besucht.

Die Vermittlung des einzig wahren Glaubens (röm. kathl. Kirche) fruchtet schon in jungen Jahren, mit äusserst primitiven und billigen Mitteln. Der Ausschluss andersgläubiger erfolgt relativ, konsequent. Die Kinder, welche sich eigentlich glücklich schätzen könnten nicht mit der Sekte in Verbindung zu kommen, werden verspottet. Zudem schwelgen sie in (Selbst-) Zweifel, aufgrund der „Andersartigkeit“. Die Kirche nützt diese Situation schamlos aus. Denn die 1. Kommunion ist, so der O-Ton von SchülerInnen, „sehr cool und eine super Sache!“. Es handelt sich hierbei nicht um religiöse FanatikerInnen. Das ganze Spektakel dient, zumindest für eine sehr grosse Mehrheit, einzig und allein genügend Geschenke zu bekommen. Diese konsumgeile Einstellung ist sicherlich nicht optimal, jedoch in diesem Alter durchaus nachvollziehbar. Um einiges bedenklicher ist die Tatsache, dass SchülerInnen (röm. kathl.) Gebete auswendig lernen müssen und diese in den Prüfungen getestet werden (d.h. in den Notenschnitt einfliessen aufgrund der Fach-Note Religion). Verständlich, denn welches Kind hat schon freiwillig Lust lahme unverständliche Texte auswendig zu lernen. Durch den (erstmals auftauchende) Notendruck hat die Kirche hier leichtes Spiel. So können in der 3. Primarschule die Mehrheit der SchülerInnen die wichtigsten Gebete auswendig und werden diese in der Messe auch artig mitbeten.

Der 2. Teil folgt in 1-2 Wochen (Inhalt 4-6 Schuljahr inkl. Firmung)