Bericht Anti-Wef Demonstration in Genf


//UPDATE AM MITTWOCH 11.02.09//
Ein erster Bericht zur Anti-Wef Demo vom letzten Samstag in Genf. Da noch bis zum Mittwoch gewartet werden muss (technische Probleme bei Anonymisierungen), bis die Bilder online sind, hier schon der Artikel. Verlinkungen und weiterführende Infos werden dann auch am Mittwoch ergänzt. Danke für eure Geduld.

Am Samstag, den 31.01.2009, sollte in Genf eine breit angekündigte Demonstration gegen das WEF und Kapitalismus – für eine revolutionäre Perspektive, stattfinden. An der von der Polizei tolerierten Platzkundgebung nahmen um die 1000 Personnen teil, die Organisatoren konnten sich allerdings nicht auf die Demonstrationsbedingungen, welche Vorraussetzung für eine „legale“ Demo ist, mit der Polizei einigen. Ein trotzdem startender Demonstrationszug wurde nach wenigen Metern durch die Polizei mit Knüppeln angegriffen, mit Shock-Granaten, Gummischrott und Tränengas beschossen und so viele in einen Kessel getrieben. Ausserhalb des Kessels kam es immer wieder zu Scharmützeln die bis hin zu Tränengas-Einsätzen im Bahnhof reichten.

Schon unterwegs Richtung Genf war klar, die Polizei wird ein Riesen-Aufgebot bereit haben. Überall standen immer wieder Gruppen von Riot-Cops. Der Besammlungsort war umringt von schwer bewaffneten Polizei-Ketten und Einsatzfahrzeugen, so dass der Ort isoliert wirkte. Es wurden mehrere Reden gehalten, zwischendurch immer auf die aktuelle Situation mit der Polizei informiert. Als klar war, dass keine Demo stattfinden sollte und man am Mikrophon aufrief die Kundgebung aufzulösen machte sich Wut breit. Die Herrscher und Ausbeuter der Welt werden mit Millionen von Franken in Davos abgeschottet, Protestierenden dagegen begegnet man mit einem riesigem Polizei-Aufgebot, welche Menschenrechte und Grundrechte mit Füssen treten. Doch das ist ja nicht wirklich was neues…

Das wollten sich viele nicht bieten lassen und machten sich unerschrocken auf, sich zu einer Demo zu formieren und loszulaufen. Dieser Demo-Zug kam allerdings nicht weit. Als man in eine Seitenstrasse einbiegen wollte traf man auf eine Polizeikette welche das weiterlaufen verhindern wollten. Auf was die Polizei sich eingerichtet hatte, sah man schnell daran welche Ausrüstung die Polizei dort auf sich trug. Es gab spezielle Schläger-Cops welche sich durch übermässigen Schoner-Schutz auszeichneten, so dass dies fast schon den Namen Rüstung verdient. Andererseits waren auch die Gewehre, die Tränengas-Werfer, speziell. Einfach war mal, hier gabs Trommel-Magazine zum Eindecken von ganzen Strassenzügen. Zudem multiples Tränengas was beim Einschlag in ca. 10 Tränengas-Petarden zerspringt. Als sich der Demozug in Richtung Polizei-Kette aufmachte diesen offensichtlich zu überrennen, schlug die Polizei sofort mit Knüppel auf jeden Demonstrierenden ein den sie grad vor sich hatten. Wenige Sekunden später zündeten die ersten Tränengas-Granaten welche einfach in die Menschenmenge geschmissen wurden. Viele empfanden das Tränengas als erstaunlich stark, zahlreiche Personnen brachen in Tränengas-Wolken zusammen oder mussten sich übergeben.

Die Polizei trieb die Leute wieder auf den Kundgebungsplatz, in dem sich nun der vorbereitete Kessel nur noch zu schliessen brauchte. Zahlreiche Passantinnen waren dort ebenso gefangen wie die Demonstraten und da half es auch nichts die Polizei darauf hinzuweisen. So oder so weigerte sich die Polizei auch nur ein Wort deutsch zu sprechen oder es zu versuchen. Nachdem einige ihrer Wut freien Lauf liessen und die Polizei-Ketten mit Flaschen und Steinen angriffen, begann die Polizei den Kessel mit Tränengas vollzuschiessen. Parallel dazu kam es in vielen Strassen zu weiteren Auseinandersetzungen mit der Polizei, wo diese auch den Wasserwerfer einsetzte. An vielen Strassen wurden die gefährlichen Shock-Granaten eingesetzt, die von der Genfer Polizei sehr gerne benutzt werden (Granaten-Werfen-yeah!?) . Am hoch-frequentierten Genfer Bahnhof hatten die Riot-Cops aber auch keine Bedenken Tränengas-Petarden in das Innere zu scheissen, oder gar auf den Perron-Bereich. Das die Polizei an diesem Tag eine sehr aggressive und undverhältnismässige Taktik fuhr bestätigte sich immer wieder. Frustriert waren sie ohnehin schon: Noch bis wenigen Wochen vor der Demo kam es zu einem zuspitzenden Streit zwischen Stadt und Polizei, in dem es um unzählige, angehäufte Überstunden (15000) ging und die Polizei als Druckmittel ankündigte gegen allfällige Verstösse an einer Demo und/oder Kundgebung nur das mindeste zu tun. Schon im August begannen die Waadtländer aus Protest keine Bussen mehr auszustellen, Genf folgte im Oktober 08. Die Stadt einigte sich jedoch mit der Polizei und konnte dies abwenden. Die Überstunden bleiben bestehen, das Nachsehen hatten somit die Demonstranten, welche nun Ventil zum Frustablassen für die Polizei zu schien war.

Am späten Abend kam es in Bern zu weiteren Auseinandersetzungen, die Polizei soll sich nach eigenen Angaben schon darauf vorbereitet haben. Im Bereich Bollwerk wurde Tränengas und Gummischrott eingesetzt. Die Polizei war äusserst wütend, viele von ihnen waren durchtränkt mit bunter Farbe.


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