Archiv für Januar 2009

Wallis abstossen?

In einer Satire hat ein Beobachter-Autor gefordert, angeblich unrentable Kantone wie das Wallis und/oder das Tessin „abzustossen“. Während diese Aussagen den Zorn von Wallisern und Tessinern auf sich zog und sich der Beobachter für die angeblich missverstandene Satire zu entschuldigen versuchte, hetzt nun ein Walliser praktisch „aus den eigenen Reihen“ gegen den Kanton munter weiter.

„Wieso das Wallis zu Recht ein schlechtes Image hat“, so titelte der Tagesanzeiger und setzt damit an die Satire des Beobachters an. Präsentiert wird den Lesern eine ganze Liste was im Wallis alles so schief lief oder nach seiner Meinung schief gelaufen sein soll. Dabei ist und war es nie Thema das einiges schief lief oder immer noch nicht recht läuft, sondern das er sich gegen die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz, gegen den solidarischen Gedanken schwache Kantone zu unterstützen positioniert und im Artikel eindeutig kapitalistische Züge zu erkennen sind. Das ist wohl auch der Grund wieso bis jetzt niemand einen Gegenartikel zu z.B. Bern gemacht hat, weil es einfach vom Denkschema her zu primitiv ist und auch primär kritisiert wird.

Das Wallis jagt den «Beobachter»-Autor
von Amir Mustedanagic

Eine satirisch gemeinte Kolumne im «Beobachter» sorgt für Empörung im Wallis. Statt Lachern erntete der Autor Beschimpfungen, böse Briefe und eine Facebook-Hassgruppe.

Ferien im Wallis oder im Tessin wird Mario Güdel wohl nicht so schnell machen können. Die Gefahr, dass der «Beobachter»-Journalist einem Mitglied der Facebook-Gruppe «Mario-Güdel-läbt-gferli-und-versteits-nid» oder dem Chefredaktor des «Walliser Boten» über den Weg läuft, ist zu gross. Da nützen alle Entschuldigungsschreiben und Beteuerungen des «Beobachter»-Chefredaktors nichts. Vor allem das Wallis ist in Aufruhr. Was ist passiert?

Unter dem Titel «Zeit für einen Tabubruch» forderte Mario Güdel in einer satirischen Beobachter-Kolumne angesichts der momentan schwierigen wirtschaftlichen Zeiten das Tessin als «Sonnenstube der Schweiz» mit «Siesta-Mentalität» und das «strukturschwache» und «subventionierte» Wallis als unrentable Regionen «abzustossen».

«Eine Art Klugscheisser mit Durchfall»

Seither wird der «Beobachter» mit Beschwerde-Mails bombardiert. Die besagte Facebook-Gruppe wird gegründet. Innerhalb von 24 Stunden treten über 1250 wütende Walliser bei. Das als Entschuldigung gedachte Mail wird von den Adressaten als Standardantwort empfunden und erzürnt die Gemüter noch mehr. Zahlreiche Beschwerdebriefe erreichen den Autor direkt. Der «Walliser Bote» (WB) macht den Fall zur Chefsache. Der Chefredaktor höchstpersönlich antwortet in einer Glosse unter dem Titel «Mario Güdel der Chrütgagger»:

«Mario Güdel hat im «Beobachter» geschrieben, dass die Schweiz das Wallis und den Kanton Tessin als hoffnungslos abstossen sollte. Er hat sich ein Spässchen erlaubt.
Zum Spass nun auch: Dieser Mario Güsel, pardon, dieser Mario Grüsel, Verzeihung, dieser Mario Güdel hat ein Problem – ein gravierendes, ein völlig lösungsresistentes: Er ist eine Art Klugscheisser mit Durchfall. Ein hoffnungsloser Fall. Denn Dummheit ist nicht heilbar …»

«Gut, dass man Güdel das Maul gestopft hat»

Der Autor selbst hat sich inzwischen rar gemacht. Er antwortet weder auf Mails noch auf Anrufe. Andres Büchi, Chefredaktor des Beobachters handelt. Er schreibt eine öffentliche Entschuldigung an die Walliser. Zudem entschuldigt er sich über das Oberwalliser Radio bei allen erbosten Wallisern. Büchi gegenüber 20 Minuten Online: «Für mich ist die Sache damit erledigt.»

Auch beim Walliser Boten ist ein leichtes Einlenken zu spüren. Am Donnerstag veröffentlichte die Zeitung das Entschuldigungsschreiben des «Beobachters». Nicht aber ohne die Kolumne Güdels mitzupublizieren und darauf hinzuweisen, dass man «Herrn Güdel» mit der Glosse nichts schuldig geblieben sei. Das Echo sei ausserdem überwältigend gewesen und der Grundtenor laute: «Gut, dass man diesem Herrn Mario Güdel das Maul gestopft hat», wie der WB selbst schreibt. Es scheint aber, dass sich die Wogen im Wallis langsam glätten. Der «Walliser Bote» schreibt zur Abreibung, die das Wallis Güdel verpasst hat: «Wir meinen: Das war schon einmal recht viel Fett, und das genügt auch.»

Und was ist mit der Facebook-Gruppe? Die verzeichnet inzwischen 1400 Mitglieder. Der nächste Wallis-Urlaub für Güdel ist noch nicht abzusehen.

Neonaziprozess in Brig

Am Donnerstag um 08:15 Uhr begann in Brig der Neonaziprozess wegen dem Ian Stuart Memorial Konzert in Gamsen (2005).
Angeklagt sind 18 Personen. Darunter einige alt Bekannte aus dem Oberwallis.

Die Neonazis gaben sich äusserst wortkarg und still. Der Richter musste zum Beispiel Herrn Gex-Collet Silvan dazu auffordern so zu antworten, dass man ihn auch verstehe. Mit seiner Postur, so der Richter, sei dies doch das Mindeste. Lustig war Martin Schwery, der wohl nicht gefrühstückt hatte und schon um 10 Uhr nachfragte, wann denn die Mittagspause sei. Durst hatte er wohl auch, denn wichtig für ihn war zu wissen, ob er eine Wasserflasche mitnehmen dürfe. So freundlich und lieb hat man die Neonazis schon lage nicht mehr gesehen. Spannend sind natürlich auch die Aussagen, glücklicherweise hauen sie sich selber in die Pfanne.

Alle Befragten haben sich von dem „Blutlied“ distanziert, sie hätten die „Feldherren“ nicht gut genug gekannt und nicht gewusst was diese für Lieder spielen. Wenn sie gewusst hätten das Lieder gegen die Antirassismusstrafnorm verstossen würden, hätten sie die Bands drauf aufmerksam gemacht. Das Problem ist jedoch, die „Feldherren“ haben das Lied gar nie gespielt. Sondern die Zürcher Band „Amok“. Doch die Staatsanwaltschaft bzw. die Untersuchungsrichterin hat dies bis jetzt ignoriert. Die Verteidiung (mehrer Anwälte und eine Anwältin) haben sich auch alle darauf berufen, dass doch gar nicht wirklich klar sei ob die „Feldherren“ das Lied gespielt haben. Weiter wurde kritisiert, dass man es in 3 Jahren nicht geschafft hat die „Feldherren“ zu befragen bzw. anzuklagen. Dies verwundert uns auch.

Erscheckend ist der Blick ins Publikum, mindestens 8 Neonazis (Donnerstag).
Ansonsten hat es viele Presseleute und so dürften auch die bürgerlichen Medien im Wallis nicht um eine Berichterstattung herum kommen.

Äusserst erstaunlich die Aussage vom Pnos Parteivorstandsmitglied Jonathan Leiggener, dieser gab offen zu Blood and Honour Mitglied (Sektion Vaud) zu sein. Weitere Fragen zu Blood and Honour wollte er nicht zu Protokoll geben (auf die Frage ob diese Sektion die ganze französischsprechende Schweiz abdecken würde, verweigerte er die Aussage). Wir wissen nicht wie sich dies auf seine Arbeit bei der Pnos auswirken wird. Diese Distanzieren sich doch so gerne von Blood and Honour und anderen Neonaziorganisationen.

Einer der Hauptangeklaten bzw. Hauptorganisatoren, Gex-Collet Silvan hat wohl Angst bekommen und sehr interessante Aussagen gegenüber der Polizei gemacht. So hat er gegenüber der Polizei alle damaligen Mitglieder von Blood and Honour Oberwallis genannt. Seine 8 Kameraden dürften dies nicht so toll gefunden haben. Es erstaunt dann auch nicht, dass 6 davon ebenfalls angeklagt waren. Einer davon war jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend.

Die Beweismittel bzw. das beschlagnahmte Material wurde nur am Rande erwähnt. Bei mehreren der Angeklaten wurden Waffen gefunden, jedoch alle legal erworben.

Festzustellen bleibt, dass alle Angeklagten sich nicht gross geäussert haben. Im Gegensatz zur Aussagen gegenüber der Polizei. Alle Angeklagten waren gut vorbereit. Dies dürfte vor allem die Arbeit des bekannten und (in dieser Hinsicht) erfahrenen Rechtsanwalt Valentin Landmann gewesen sein. Einige Personen, die eher „Helferdienste“ getätigt haben, hatten keinen Anwalt dabei. Die beiden französisch sprechenden Angeklagten wurden vom Rechtsanwalt Pascal Junod aus Genf verteidigt. Der krankheitshalber fehlende Angeklagte wurde von Rechtsanwalt Odilo Guntern aus Brig verteidigt und eine Angeklate wurde von Rechtsanwältin Doris Vogel aus Brig vertreten.

So hat keine und keiner der Angeklaten weder Hakenkreuze, Hitlergrüsse und schon gar nicht das „Blutlied“ gehört. Alle waren entweder irgendwo draussen, auf den Parklplätzen, in der Vorhalle, an der Kasse, in der Küche oder an der Bar am arbeiten. Auch die 3 Frauen welche an der Bar arbeiteten haben angeblich nichts gesehen. Obwohl eine Angeklagte bestätigte dass, falls man in die Richtung, geschaut hätte, hätte man die Bühne (3-4 Meter entfernt) gesehen. Die selbe Angeklagte hat gegenüber der Polizei auch ausgesagt, dass viele Konzertbesucher T-Shirts mit Hakenkreuzen getragen hätten auch Sieg-Heil Rufe und Hitlergrüsse hätte sie gesehen. Vor dem Richter war sie sich nicht mehr sicher und hat gemeint, sie hätte dies wohl mit dem Rundschaubericht verwechselt. Nachdem sie der Richter auf ihre Aussage bei der Polizei hingewiesen hat verweigerte sie danach die Ausage.
Komisch alle 18 Angeklagten haben die Szenen im Rundschaubericht, auch nur in diesem Bericht gesehen. Ansonsten war ja niemand im Saal und die Barfrauen meinte es sei ziemlich stressig gewesen und sie hätten darum nichts gesehen und gehört. Wers glaubt…

Einzig einen Einblick hätte Martin Schwery geben können, da dieser nur „zum Festen“ da war. Er hat jedoch auch nichts gesehen und gehört. Mit der Organisation habe er nichts zu tun gehabt, einzig „20 Sekunden“ habe er einen Besen in der Hand gehalten um seinen Kollegen beim aufräumen zu helfen.

Man darf gespannt auf die restliche Berichterstattung sein. Der heutige WB-Artikel hat die nötigen Infos geliefert, jedoch keine weiteren Erkenntnisse.

Radioberichte vom RRO vor dem Prozess und nach dem 1. Tag