Free Terry McCafferty!

Nach dem der Süden Irlands es nicht geschafft hat, 4 Mitglieder des 32 County Sovereignty Movements die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation nach zu weisen, wurde rasch ein nächstes Opfer gesucht und gefunden. Terry McCafferty aus Belfast kam, nach dem er die Hälfte seiner Haftstrafe verbüsst hatte, am 21. November frei. Doch diese Freiheit dauert nur einen knappen Monat. Kurz vor Weihnachten wurde Terry am Belfaster Flughafen verhaftet und sitzt seit dem wieder in Haft. Einen Grund haben die Behörden noch nicht geliefert. Die Vermutung, dass es sich um eine Schikane gegenüber einem überzeugten Republikaner handelt liegen nahe. Terry wurde, nichts ahnend, nach einem Ferienaufenthalt in Spanien bei einer gewöhnlichen Passkontrolle mitgenommen. Es könnte sein, dass Terry nun nochmals 2 Jahre absetzten muss (entspräche 2/3 der Strafe). Nur weil Terry seine politische Einstellung nicht geändert hat, darf er nicht länger in Haft bleiben! Diese Vorgensweise der Polizei und Behörden muss aufhören!

GegnerInnen des Karfreitagabkommens haben es weder im Süden noch im Norden Irlands leicht. Überwachungen, Hausdurchsuchungen usw. sind ein ständiger Begleiter bei ihren politischen Arbeiten. Die Schikanen richten sich meist gegen politische Exponenten der einzelnen Parteien. Die Verhaftungen bzw. Befragungen finden immer im Zusammenhang mit angeblichen IRA (gemeint sind die Splittergruppen, RIRA und CIRA) Aktivitäten statt. Es geht vordergründig darum die Leute einzuschüchtern und zu diskredieren. Im Süden ist es für die Behörden ein leichtes Spiel unerwünschte Personen für mindestens 5 Jahre weg zu sperren. Falls höhere Polizeibeamte der Meinung sind die betreffende Person sei Mitglied in einer illegalen Organisation (gemeint ist die IRA), reicht dies häufig schon um vor einem spezial Gericht verurteilt zu werden.

Obwohl der Süden Irlands und die britische Regierung alles versuchen, um die noch aktiven IRA Gruppen zu zerschlagen, haben die Anschläge und Aktionen erstaunlicher Weise zugenommen. Die RIRA (eigentlich ein Medien Name, die Gruppe nennt sich Oglaigh na hEireann = Irish Repulikanische Armee, bei einer Strassenpatrouille im Süden Armaghs wurde nachfragenden Menschen gesagt, sie seien von der IRA von der richtigen IRA, daher kommt der Name) hat sich im Neujahrscommuniqué auch realistisch gezeigt und gemeint, dass es noch ein langer Kampf sein werde bis zu einem freien und vereinten Irland. Äusserst interessant ist auch eine ziemliche Kritik an der katholischen Kirche, welche in den letzten Jahren eher weniger in Communiqués geäussert worden ist. Nachzulesen ist das Statement hier.

Zudem verzeichnen die politischen Parteien einen stetigen Zuwachs. Es werden ständig neue Ortsgruppen gegründet und die Anzahl der Aktivitäten hat sich klar gesteigert. Man darf gespannt sein, wie sich diese Entwicklung in der nächsten Zeit fortsetzten wird.

Interview mit Marian Price bei einem Protest (gegen die Inhaftierung von Terry McCafferty) in der Falls Road (Belfast)

Video mit Fotos von den Aktionen in Belfast und Derry inkl. Teil des obigen Interviews(Musik: „No time for love“ gesungen von Gary Og)

Regelmässige Infos (hauptsächlich über die Aktivitäten von Republican Sinn Fein) auf Deutsch gibt es unter folgendem Blog.


6 Antworten auf “Free Terry McCafferty!”


  1. 1 Earendil 09. Januar 2009 um 10:36 Uhr

    Toll – irgendwelche extremen Nationalisten agieren gegen ihre Regierung, weil die ihnen nicht nationalistisch genug ist, und werden deshalb mit Repression überzogen – so what? Warum sollte man ausgerechnet am Schicksal dieser Spinner Anteil nehmen (also mehr als an dem aller anderen Knastis)? Hört das denn nie auf mit der unreflektierten Solidarität mit allen möglichen Bekloppten dieser Welt, nur weil die so irre widerständig sind, egal mit welchen Zielen?

  2. 2 saoirse 09. Januar 2009 um 19:24 Uhr

    Ein bisschen Bildung schadet niemanden. Wenn du ein wenig mehr über die Situation in Irland wüsstes, würdest du einen solchen Kommentar vermeiden. Es geht nicht um irgendwelche Nationalisten, welchen die Regierung zu wenig nationalistisch ist. Weder handelt es sich um eine Regierung, noch handelt es sich um Spinner. Beide Regierungen (Freistaat Irland und Grossbritannien) sind in der Kritik. Weiter geht es nicht um bedingungslose Solidarität, sondern um eine informative Berichterstattung. Zudem sprechen wir uns im Allgemeinen gegen Knäste aus, wie du anhand der früheren Berichten sehen könntest.

  3. 3 Earendil 11. Januar 2009 um 13:29 Uhr

    Ja sicher sind beide Regierungen in der Kritik – die irische, weil sie nicht nationalistisch genug ist und verräterischerweise auf Nordirland verzichtet, und die britische, weil sie sowieso der Feind ist.

    Und du willst mir doch nicht weismachen, das die Intention dieses Artikels zweckfreie „informative Berichterstattung“ oder eine allgemeine Kritik des Knastwesens (die ich euch ansonsten ja nicht absprechen will) ist! „Free Terry McCafferty!“ – das soll keine Solidaritätserklärung sein? Und wer sich in solcher Form solidarisiert, solidarisiert sich natürlich auch mindestens in gewissem Maße (von „bedingungslos“ war nicht die Rede) mit den politischen Zielen. (Wenn es einfach um Solidarität mit von staatlicher Repression Betroffenen ginge, wäre die Einsitzenden der nächsten schweizer JVA (oder wie das in der Schweiz heißen mag, bin ja so ungebildet ;-)) gewiss das Nächstliegendere.)

  4. 4 saoirse 11. Januar 2009 um 18:08 Uhr

    Muss mich bei dir entschuldigen, wollte dich nicht als ungebildet darstellen, habe mich aber über die Bezeichnung „Spinner“ aufgeregt . Die britische Regierung ist in diesem Fall klar der Feind. Die irische Regierung kritisiere ich nicht aufgrund des fehlenden Nationalismuses. Der Freistaat Irland, hat es unter Druck der britischen Regierung und der katholischen Kirche zu einem repressiven Staat gegenüber der Republikanischen Bewegung gebracht. Spätestens beim Karfreitagsabkommen, wo unter enormen (Zeit-) Druck noch der Anspruch auf den Norden aus der Verfassung gestrichen worden ist, wurde klar in welche Richtung sich die Freistaatsregierung bewegt.
    Die südirische Regierung steht in der Kritik teilweise repressiver gegen angebliche IRA-Leute vor zu gehen, als der nordirische. Der Grund ist ganz einfache. Innerhalb der „Troubles“ wurde die republikanische Bewegung mittels Medienzensur praktisch zum Stillschweigen gebracht. Das Thema Nordirland hat im Süden dadurch und durch andere Massnahmen an Interesse verloren. Im Nordenirlands können die Bullen nicht einfach so Leute verhaften, ohne dass es zu Protesten bzw. teils zu Riots kommt. Diese Basis fehlt den Menschen im Süden. Daher wurden die Derry 4 auch nicht im Norden, sondern im Süden bei einer kurzen Überquerung der „Grenze“ verhaftet. Natürlich mit Hilfe der britischen Geheimdienste.

    Informative Berichterstattung meinte ich, da über diese Themen in der deutschsprachigen Presse wenig zu lesen ist. Klar geht es um eine Solidaritäts Erklärung. Ich persönlich solidarisiere mich auch zum Teil mit den politischen Zielen. Wobei klar gesagt sein muss, dies ist meine Meinung und nicht die von Info-Wallis. Dies hat Info-Wallis auch klar kommuniziert. Die Genossen geben mir hier eine Plattform über das Thema Irland zu berichten, welcher ich gerne nach komme.

    „(Wenn es einfach um Solidarität mit von staatlicher Repression Betroffenen ginge, wäre die Einsitzenden der nächsten schweizer JVA (oder wie das in der Schweiz heißen mag, bin ja so ungebildet ;-)) gewiss das Nächstliegendere.)“

    Da gebe ich dir Recht. Info-Wallis berichtet auch mehrheitlich über politische Gefange in der Schweiz bzw. über Gefangene in der Schweiz

  5. 5 Earendil 11. Januar 2009 um 19:52 Uhr

    „Die irische Regierung kritisiere ich nicht aufgrund des fehlenden Nationalismuses.“

    Scheint mir aber doch so. Du bringst zwei Kritikpunkte an der irischen Regierung: a) die starke Repression gegenüber „Republikanern“ und b) die Streichung des Anspruchs auf Nordirland aus der Verfassung. Was wollen denn die Republikaner, weshalb werden sie verfolgt? In erster Linie den Anschluss Nordirlands an die Republik Irland. Das meine ich mit extremem Nationalismus, wogegen der vergleichsweise gemäßigte Nationalismus der irischen Regierung sich mit dem Rest der Insel begnügt, was von den Republikanern als Verrat an der irischen Nation angesehen wird – und von dir offenbar auch, weshalb sonst die Kritik an der Verfassungsänderung?

    Kurz: Wenn die Forderung nach einem geeinten irischen Staat auf der ganzen Insel nicht nationalistisch ist, was dann?

    Dann noch ein bisschen eigene Positionierung: Dass die katholischen Iren in Nordirland rassistisch benachteiligt werden, weiß ich auch, aber 1. würde ein geeintes Irland nur die umgekehrte Situation für die Protestanten mit sich bringen und 2. kann man doch nur froh sein, dass die Zeit des gegenseitigen Terrors, die sich einige Leute, mit denen hier Solidarität geübt wird, offenbar zurückwünschen, vorbei ist – hoffentlich nicht nur vorübergehend.

    An der IRA gäbe es auch noch einiges andere zu kritisieren, etwa ihren Umgang mit Dissidenten und „Verrätern“ aus den eigenen Reihen, aber das nur am Rande.

    PS: Brauchst dich nicht zu entschuldigen, so dünnhäutig bin ich schon nicht :-)

  6. 6 saoirse 14. Januar 2009 um 12:56 Uhr

    „Kurz: Wenn die Forderung nach einem geeinten irischen Staat auf der ganzen Insel nicht nationalistisch ist, was dann?“

    So gesehen stimm ich dir zu.
    Historisch gesehen wärs aber ganz klar ein Land und die fiktive Grenze wurde ja genauso gezogen, damit die Protestanten im Norden die absolute Mehrheit haben, welche ja mittlerweile (dem Vatikan sei Dank :) ) nicht mehr vorhanden ist.

    Zu deiner Positionierung. Diese Ansicht wird von loyalistischen Hardliner auch gerne in die Menge geworfen. Es gibt jedoch verschiedene Ansätze bzw. Programme die eine solche Situation verhindern würde (z.B. Eire Nua von Republican Sinn Fein) Dass es gemeinsam gehen könnte kann ich mir gut vorstellen, erinnere hierbei an die Bürgerrechtsbewegung. Zudem waren die ersten Freiheitskämpfer (lange vor der IRA) protestantischer Herkunft. Es gab und gibt es immer wieder, dass sich auch Protestanten für die Unabhängigkeit (ganz) Irlands einsetzten bzw. einsetzen. Hierzu sei erwähnt, dass es sogar einige protestantische IRA Units (auch zu Zeiten der PIRA) gab. Gewisse Personen haben aber halt die Religionskarte immerwieder ausgespielt und so die eigentliche Verbundenheit (z.B. bei der Arbeiterklasse) sektiererisch ausgepsielt. Ian Paisley ist hier wohl das beste Beispiel.

    Der „gegenseitige Terror“ ist noch nicht wirklich vorbei, wobei dies den deutschsprachigen Medien keine Rede wert ist. Es finden fast täglich irgendwelche Sachen statt. Und hierzu sei erwähnt, dass die loyalistischen Paramilitärs ihre Waffen immer noch haben (nicht zu vergessen seit 11 Jahren läuft das Karfreitagsabkommen!) und ihre Drogengeschäfte weiterhin ziemlich ohne Probleme betreiben.
    Ob sich dies einige Leute dies wirklich herbeiwünschen bezweifle ich. Jedoch hat der bewaffnete Wiederstand eine so lange Tradition in Irland, dass sich das Zitat von Booby Sands (kurz Ireland unfree will never be at peace) wohl bewarheiten wird. Zudem kämpfen diese Menschen ja nicht nur für die Vereinigung Irlands, sondern auch für eine sozialistische Republik (jedoch gibt es da unter den Gruppen auch unterschiedliche Ideen und Strömungen). Ich denke jedoch, dass wohl eher Irland vereint sein wird anstelle von sozialistisch und vereint.

    An der IRA gibt es sicherlich viel zu kritisieren, aber ich denke solange die Briten ihre Schuld nicht eingestanden haben (z.B. Bloody Sunday) möcht ich nicht noch in das kollektive IRA-Bashing einsteigen. Was ich jedoch zu deiner Erwähnung sagen möchte, diese Handhabung war den entsprechenden Personen bewusst (was nicht heissen soll, das ich sie als gut empfinde). Was mich mehr erschreckt sind die wirklichen Verätern bzw. Geheimdienst Leute welche bewusst Menschen als Verräter deklariert haben und somit deren Tod mit zu verantworten haben.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.