Archiv für April 2008

Wenn das Spendengeld nie ankommt

Weit und breit gibt es kein Land, das pro Jahr und Haushalt so viel spendet wie die Schweiz. Rund 600 Franken gehen jedes Jahr an Spendenorganisationen. Darum ist die Schweiz sehr interessant für viele Spendenorganisationen, was aber gleichzeitig auch bedeutet das eine Art Konkurrenz aufgebaut wird, und die Spendenorganisationen oft mit Emotionalen Bildern für Spenden werben.

Wir kennen die Bilder aus dem TV, die Bilder aus der Zeitung, aus den Prospekten und Plakaten: Kinder die im Dreck leben, nicht genug Wasser und/oder Essen haben, keine Bildungsmöglichkeit etc. – ohne Spenden. Aber auch das umgekehrte wird gezeigt: Kinder und Familien denen es gut geht: dank Spenden. Eins haben beide Arten gemeinsam, sie werben für Patenschaften.

Francesca Pasciuti war so eine PatIn. Rund 600 Franken jährlich spendete sie an WV(World Vision). Dafür das es dem Kind und der Familie möglichst gut geht und ihre Eltern Saatgut erhalten. Als sich das Patenkind, seine Familie und Francesca dann an einem von WV errangierten Treffen sahen, schien alles korrekt abgelaufen zu sein, alle gesund, alles gut…
Doch Francesca blieb kritisch, sie wollte das Patenkind selbst sehen und in ihrem Haus besuchen. Was sie vorfand, war eine noch am Treffen herausgeputzte, und jetzt eine „verlumpte“ Familie. Das Kind welches ihr Patenkind war, war entgegen den Worten von WV nicht gesund, sondern war unterernährt. Dies vor allem auch weil die Zunge am Gaumen festgewachsen war. Von all dem erfuhr sie weder beim Treffen bei WV, noch sonst etwas. Als sie nachfragte wo denn das Geld geblieben sei, stellte sie fest dass die Familie nie Geld gesehen hat, ausser einer Übernahme der Kosten für die Busfahrt nach Lima. Francesca kündigte schlussendlich die angebliche Patenschaft, auch wenn Amnesty nachdem der Fall publik wurde für Besserung, transparentere Informationen etc. sorgen werde. Dem besagten Kind wurde eine Behandlung veranlasst. Ersteres war offensichtlich nur eine Farce zur momentanen Gewissensberuhigung möglicher PateInnen welche zusahen.

Patenschaften mögen eine auf den ersten Eindruck gute Investition sein. Hilfswerke werben damit dass einem Kind direkt geholfen wird, d.h. ein Grossteil an das Kind geht., oder gar wird der Eindruck erweckeckt alles würde ihm zukommen. Doch meist ist dies nicht der Fall. Dies muss nicht unbedingt schlecht sein, denn eine Investition in das Dorf, seine Strukturen etc. können mittelfristig eine Verbesserung für alle und auch das Kind bedeuten. Das man aber mit emotionalen, direkten Patenschaften wirbt, ist oft nur Heuchelei.

Ab und zu erhalten PatInnen Briefe von den angeblichen Patenkindern. Diese Briefe sind allerdings meist nicht aus der Hand von Kindern verfasst, sondern von sog. „Volontären“. In Dubendorf, wo das Büro von WV ist, arbeiten zurzeit „genügend Volontäre“ wie WV selbst im Internet schreibt. Sie geben sich als Kinder aus und Antworten auf die Briefe. Somit versuchen die Hilfswerke eine emotionale Bindung weiterzuentwickeln und den Geldfluss sicherzustellen. Ethnische bedenken scheinen sie dabei nicht zu haben.
Die Stiftung ZEWO ist die schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen und vergibt sogenannte Gütesiegel für Hilfswerke. Hilfswerke welche dieses Gütesiegel erhalten, werden kontrolliert und müssen unter vielen anderem ihre Finanzen offenlegen. Neben weiteren Dingen, müssen aber auch ethisch ok sein. Das Hilfswerk WV hat dieses Gütesiegel nicht erhalten und äussert „ethische Bedenken“.

Doch es geht noch krasser. Das sogenannte Hilfswerk „Welt Kinder Fonds“ sammelt auch, doch hier geht kaum was an die Hilfsbedürftigen. Rund 70% der Einnahmen fliessen in die Taschen von Managern und Dunkelkonten. 6.5 % gehen an weit verstreute Adressen von angeblichen anderen Hilfswerken und 23 % dann noch an Fundraising-Firmen welche sich auf das Abholen von grösseren Geldbeträgen bei gutgläubigen Spendern spezialisiert haben.

Doch jetzt kommt’s: Auf der Seite von Josef Lam, dem angeblichen Strickzieher hinter dem Welt Kinder Fonds, sind zahlreiche Fotos zu sehen, welcher sich mit sehr vielen prominenten Personnen zeigt. Da haben wir Mutter Theresa, der Papst, Bush, Nelson Mandela und da könnte auch glatt ein achso echtes Bild eines Meetings mit der Biene Maja stehen. Denn nahezu jedes Bild ist eine Fälschung – Photoshop und ein bisschen Kreativität machens möglich .Link zu den Photos und anschliessend die Auflösungen der vermeintlich echten Bilder: http://josephlam.org/photos.html

Bild 1; mit Mutter Theresa: Kopf von Lam wurde einmontiert
Bild 2; mit Gloria von Philippinen: ganzer Körper Lam einmontiert
Bild 3; mit Clinton: Montage, Hintergrund eingeschwärzt
Bild 4; mit Papst Paul VI, Montage, siehe auch Kopfgrössen
Bild 5; mit Sirikit of Thailand: Kopf einmontiert
Bild 6; mit Desmond Tutu: Montage, diffuse Grössenunterschiede
Bild 7; mit Billy Graham, ev. sogar echt, also ohne Montage…
Bild 8; George Bush aus Karton: Aufnahme an einer Chilbi
Bild 9; mit Benedikt XVI (gab es den überhaupt?): Photoshop with light
Bild 10; mit Nelson Mandela: Kopf einmontiert (siehe Übergänge beim Hals)

Es gäbe sicherlich noch viel zu sagen was falsch läuft, und was man anders machen sollte. Nach all der Kritik an den Hilfswerken bleibt allerdings zu erwähnen, dass längst nicht alle Hilfswerke so dubios sind. Viele gehen einer ehrlichen Arbeit nach und halten die eigenen Kosten tief – sie versuchen zu helfen, und das ehrlich. Um in dem ganzen Urwald an Spendenorganisationen durchzublicken, verweisen wir auf die Gütesiegel Vergabe-Stelle ZEWO, welche unter zewo.ch zu erreichen ist. Spendenorganisationen welche seriös sind, stehen dort in der Liste.

Abschliessend kann man sagen dass es kurzfristig sicher den Leuten helfen kann, wenn man Spendet. Doch wenn man zumB. einen Brunnen, Schulen und Spitäler baut, ist zwar vieles verbessert, aber eine Wurzelbehandlung ist dies nicht. Die Problematik liegt am internationalen Kapitalismus, der Ausbeutung der sog. Dritt Welt Länder, der Ungleichverteilung und und und. Wenn wir damit beginnen, zu spenden, dann sollten wir uns auch fragen welche langfristige Bedeutung das hat, wenn immer noch Leute mit Konten voller Millionen, Leute ausbeuten welche kaum genug Geld zum essen haben…

Wenn Schüler streiken

Obwohl die Schweiz eigentlich kein Land ist, indem viel gestreikt wird, ist in den letzten Jahren eine markante Zunahme von Streiks und harten Arbeitskämpfen zu beobachten. Während die Top-Gehälter von Managern und die Milliarden-Gewinne zunehmend transparanter werden, so scheint es das die Angestellten umso mehr bereit sind für ihre Rechte einzustehen, Arbeitskämpfe auszutragen und/oder schlussendlich auch zu streiken. Während zurzeit im Nachbarkanton Tessin ein heftiger Streik bei den Bahn-Ausgestellten ausgebrochen ist, welcher die ganze Region mobilisiert, sind jetzt auch die Schüler der Oberstufe in Affoltern am Albis auf den Beinen. Wie diversen Zeitungsberichten zu entnehmen ist haben sie heute um 10.00 ihre Klassenzimmer nicht mehr betreten und formierten sich draussen zu einer Kundgebung. Die Schüler protestieren mit ihrem Streik gegen Gewalt. Auslöser war ein Gewaltakt mit einer SchülerIn. Offenbar sei dies keine Seltenheit, und die zuständigen Lehrpersonnen würden die Augen vor diesem Problem verschliessen. Am Nachmittag bildete sich erneut ein Protestgruppe aus rund 80 Personnen, welche sich zu einem Demonstration zusammenfanden. Am Ende der Demonstration seien diese von der Lehrerschaft in Empfang genommen, und zu einem Gespräch zwischen Schülern und Eltern eingeladen worden.

Dieser Text basiert auf Informationen, welche wir aus den Medien entnommen haben. Wir geben damit keine Garantie auf die Richtigkeit der Informationen.