Schwere Ausschreitungen in Bern – SVP gestoppt.

Bern erlebte am gestrigen Samstag einen heissen Tag. Rund um den geplanten SVP Umzug kam es neben einem friedlichem Fest gegen Rassismus mit 3′000 Teilnehmern zu schweren Ausschreitungen, die bis in die späten Abendstunden andauerten. Die fremdenfeindliche SVP sagte den geplanten Umzug ab, gnauso wie die geplante Kundgebung.Bern erlebte „kriegsähnliche Zustände“.


Breiter Widerstand gegen SVP

Anlass für die Blokaden, Aktionen etc. war die geplante SVP-Demo unter dem Motto „Einstehen für unsere Schweiz“ mit anschliessender Kundgebung auf dem Bundesplatz. Neben dem Schwarzen Schaf Fest gegen Rassismus, blockierte man den Umzug während des ganzen Nachmittags.

Schon im Vorfeld war klar das es kein einfacher Tag für die Stadt sein werden wird. Das Komitee des Schwarzen Schafes rief zum Fest gegen Rassismus auf, wo schliesslich rund 3000 Menschen gegen Rassismus und die SVP ein Zeichen setzten. Verschiedene Kreise riefen allerdings auch dazu auf, nicht nur am Fest präsent zu sein, sondern den SVP-Aufmarsch direkt zu verhindern d.h, zu blockieren. Über die Staatsgrenze hinaus wurde so mobilisiert, was auch von den Medien nicht unbemerkt blieb (siehe auch Artikel vor dem 6.Okt.).

Am späten Vormittag machten sich einige Aktivistinnen auf, um die Autobahnausfahrten nach Bern zu blockieren. An 3 Ausfahrten wurden die Autos blockiert und laut 20min.ch mit „Scherben und Nägeln an der Weiterfahrt gehindert“. Derweil wurde in der Innenstadt schnell klar, das die Polizei sich an diesem Tag auf einen Grosseinsatz vorbereitet: In der Innenstadt waren unzählige Kastenwagen und spezielle Jeeps präsent. Die Polizei machte zahlreiche Personnenkontrollen und war sichtlich angespannt. Verschiedene Gruppen von Neonazis waren in der Stadt präsent und gröhlten Nazi-Parolen.

Um 12.00 Uhr startete dann das „Fest gegen Rassismus“ auf dem Münsterplatz. Obwohl es wegen „Überbelastung der Polizei“ nicht bewilligt war, wurde es von der Polizei toleriert. 3′000 Menschen fanden sich hier ein und setzten mit musikalischer Unterstützung diverser Bands ein klares Zeichen gegen die SVP und ihren Versuch eine fremdenfeindliche Stimmung aufzubauen. Eine Seitenstrasse weiter, war die Stimmung schon etwas gespannter. Die SVP plante mit den Umzug über eine Brücke in die Stadt zu laufen. Doch genau bei dieser Brücke, eigentlich schon bei den ersten paar hundert Metern, sammelten sich schnell Bürgerinnen aller Couleur und wuchsen um ca. 13.30 auf eine Masse von ungefähr 200 Leuten an. Ein ganz stolzer SVP-Anhänger war ganz mutig, und traute sich mit Walliser Fahnen durch die Masse an Demonstranten zu schlendern. Einige Zeit später wies die Polizei auf den Einsatz von Reizstoff und Tränengas ein, „Unbeteiligte“ sollen verschwinden. Anschliessend griff die Polizei die Blockade mit Gummischrott und Tränengas an. Fast die gesamte Münstergasse, wurde so „freigegasst“. Trotzdem wurden immer wieder Blockaden erstellt. Ein Durchkommen der SVP wollte man nicht tolerieren.

„Welcome to Hell“

In den darauffolgenden Stunden glichen verschiedene teile von Bern fast schon einem Kriegszustand. An zahlreichen Stellen kam es zu Scharmützeln, die Polizei war schlichtweg überfordert.
Als eine Gruppe schliesslich beschloss den SVP Platz „umzukrempeln“, kam es zu heftigen Ausschreitungen und Auseinandersetzungen mit SVPlern. Essens- sowie Getränkestände-Stände und Propaganda-Tische wurden umgeworfen und z.T angezündet. Bratwürste und Brot die eigentlich von den SVPlern verköstigt werden sollten, fanden sich nun im Magen von Autonomen wieder. Auf der Bühne und auch gleichzeitig das Rednerpult flüchteten die Musiker Panikartig, später wurden die Instrumente demoliert. SVPler waren entsetzt das kein einziger Polizist zur Stelle war und ergriffen mind. eine Person selbst und nahm sie fest. Thomas Fuchs der Berner SVP sprach in einem Video(beim Video auf „Augenzeuge Thomas Fuchs SVP Bern“) von „Terrorismus“.

Als die Demonstrantinnen abzogen hinterliessen sie eine Bild der Verwüstung. Ein Fest, wie es die rassistische SVP abhalten wollte, erschien erstens in Anbetracht der Situationen in der Stadt sowie des Zustandes des Bundesplatzes als nicht mehr möglich. Scheiben bersten, Steine fliegen, die Polizei sieht sich in der Berner Stadt mit einem «Mehrfrontenkrieg in Guerillamanier» konfrontiert. Die Demonstrantinnen seien nicht gemeinsam unterwegs gewesen, sondern seien einfach überall gewesen. Teilweise wurde die Polizei umzingelt von Demo-Blöcken. Dabei ist es allerdings nicht so dass man nur militant war. Viele waren mit vielfältigen Aktionen in der Innenstadt präsent zumB. Spontan-Konzis oder die Clown Army.

Nun denn; das Hauptziel der Blockierer dürfte aufgegangen sein. Die SVP sagte ihren Umzug durch die Berner Stadt ab, und begnügte sich mit einem kleinen Kreis-Lauf in der Unterstadt, der von einem massiven Polizeiaufgebot geschützt worden war. Die Kundgebung die eigentlich auf dem Bundesplatz hätte stattfinden sollen, wurde am Ausgangspunkt, improvisiert, abgehalten.

Am späten Abend beruhigte sich die Situation. Laut Angaben der SVP sollen am Umzug rund 10′000 Personen teilgenommen haben, die Medien übernahmen diese zahl so. In Wirklichkeit dürfte die Zahl nach eigener Einschätzung eher bei 1′000 liegen. Veranschaulichen kann man sich diese Zahl bei dem Video-Ende < > unter „für Friede und Unabhängigkeit“.
21 Personen wurden verletzt, davon 18 Polizisten. 42 Personen seien laut Informationen von Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadtpolizei, festgenommen wurden uns sind mittlerweile auch wieder frei. Am Samstag kamen in Bern Polizisten der Stadt- und Kantonspolizei Bern sowie der Kantonspolizeien von Aargau und Basel-Stadt zum Einsatz.
In der Nacht kam es rund um das Bollwerk zu erneuten Scharmützeln mit der Polizei.

Diskussionen innerhalb der Linken

Verschiedene Kreise sagten schon im Vorfeld das Krawalle nur der SVP nützen würden, da sie nachher wieder zB. mit dem Thema „Sicherheit“ hochschaukeln könne. Bürgerinnen würden nach den Krawallen genau diese verurteilen und SVP wählen. Demnach würden der SVP diese Krawalle nutzen. Und schliesslich würden tausende die sich an einem Fest gegen Rassismus aussprechen einfach besser ankommen, statt Leute die vermummt blockieren, so die Stimmen vor allem aus der gemässigten Linken.

Andere sprachen sich für direkte Aktionen aus, so auch Blockaden. Die SVP müsse gestoppt werden, man dürfe eine solche, fremdefeindliche Partei nicht einfach laufen lassen. Dies überwiege, gegenüber der Meinungsfreiheit. Am Samstag hätte man der SVP gezeigt von wo die Bewegung komme, von der Strasse. Und genau diese Strasse habe man sich genommen und verteidigt.

Schlussendlich gab es einen wirklichen breiten Widerstand. Während des ganzen Tages liefen in der Innenstadt unzählige Aktionen gegen Rassismus, die nicht nur „Vermummte Chaoten“ ausführten. Eine Zusammenstellung von Indymedia mit Zeit-Ticker.

Weiterführende Informationen:
Schwarze Schafe – Braunes Gedankengut (Anm. Red.: über die SVP) (Spiegel Online)
Bilder: 1 2 3 4 5 6 7
Videos: 1(Tagesschau) 2(Tagesschau) 3 4 5 6 7 SVP Videos Tagesschau Tele M1
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1 Antwort auf “Schwere Ausschreitungen in Bern – SVP gestoppt.”


  1. 1 wissender 20. Oktober 2007 um 12:04 Uhr

    Beim „Mutigen“ mit der Walliserfahne handelt es sich um den bekannten Rassisten Jakob Bolliger. Dieser tratt auch schon bei Wahlen für die SVP an. Als er noch Wohnhaft in Basel war, tratt er sogar für die Schweizer Demokraten an.

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