Filmtipp: Chaostage 1995 – Kampf der Welten

explosiver, lustiger, kreativer und wütend-machender zusammenschnitt aus diversen tv sendungen/filmen rund um die legendären chaostage im august 1995 in hannover. unterlegt mit punkmusik vom feinsten! zur erinnerung: anfang august 95 fand ein bis dato so nie dagewesenes punkertreffen statt, das durch unüberlegtes und unkoordiniertes eingreifen der polizei/politik in den wohl heftigsten krawallen und strassenschlachten der nachkriegsgeschichte endete. nach und nach sammelten sich in hannover nicht nur grossteile der punk szene europas sondern auch skins/hools/autonome… berichte, interviews, reportagen…natürlich in farbe! geschichtsunterricht mal anders.

Seit 1982 wird in der deutschen Punkszene und ihr nahestehenden Gruppierungen zu ›Chaos-Tagen‹ in Hannover und anderen Städten aufgerufen. In Hannover finden diese jeweils am ersten Augustwochenende statt. Der ursprüngliche Anlaß war die Einrichtung einer sog. ›Punker-Kartei‹ durch die Landespolizei, die durch eine möglichst große Anzahl von anwesenden Punks ›gesprengt‹ werden sollte. 1994 kommt es (nach zehnjähriger Pause) zu einem Wiederaufleben dieser Treffen, die in den Medien erstaunlich viel Beachtung fanden.

„Der Bürger fasst sich an den Kopf – er begreift die Welt nicht mehr. Da ziehen einige hundert Chaoten aller Schatierungen durch Hannover, sie praktizieren Chaos-Tage. Die Polizei wird wie so oft vorgeführt. Will es die politische Führung so, dass die Polizei zuschaut statt zuschlägt?“. Dieses Zitat eines RTL- Kommentators beschreibt wohl gleich „sehr treffend“ die Ereignisse in Hannover vom 4-6 August 1995, die von „Sprengkopf Recklinghausen“ in einem von ihnen selbst genannten Propagandafilm zusammengefasst wurden. Die zweiten großen Chaos Tage (nach 84) haben dem Spießbürgertum mal wieder die Frage nach den gesellschaftlichen Gründen „von solch einem Gewaltpotenzial“ aufgezwängt. Doch die tiefgreifende Analyse des „Otto Normal Spießers“ lässt sich sehr gut in den Worten eines älteren Hannoveranischen Bewohners zusammenfassen: „Die, die gehören alle unter die Erde“.

Um diesen Individuen einen weiteren Schlag ins Gesicht zu verpassen und zur Belustigung des restlichen Volkes ist der „Kampf der Welten“ sehr empfehlenswert für jeden, der auf diesen Staat scheißt. Der Film zeigt in absolut ironischer Form einmal die Gegenseite (also, gemeint „die Chaoten“). Prügelnde Bullen werden mit SS-Männern verglichen, die Punkerinvasion mit einem Angriff außerirdischer Wesen und die „toleranten“ Nachrichtenkommentare mit NS-Filmen. Weiterhin zu sehen sind: Bier trinkende „Asoziale“, Steine schmeißende „Vandalen“ und haufenweise Bullen, die wohl auch nicht so ganz zimperlich vorgegangen sind. Eigentlich sollten die Chaos-Tage ja nur eine Möglichkeit darstellen, wo alle Punker, Skins und Hooligans aus ganz Deutschland mal gemeinsam feiern können, aber durch die enthusiastische Teilnahme der Männer in Grün sind sie dann halt soch zu einem „Bürgerkriegsähnlichem Szenario“ mutiert. Auf dieses Szenario geht der Film auch größtenteils ein und der amüsierte Zuschauer sieht Bullen, die sich hinter Schilden verstecken, Punks, die Barrikaden aufbauen und wohl das beste, wie ein ALDI-Supermarkt von einer Horde eben dieser „Chaoten“ mit einem Rambock geplündert wird. (Wohlgemerkt: Dieses findet alles statt, während im Hintergrund der Werbungssong : „Vollbepackt mit tollen Sachen, hinein ins weekend feeling“ trällert). Immer wieder werden Reportagen und Nachrichten- sendungen eingeblendet, indem nun doch wieder das Bürgertum zu Wort kommt, das durch seine Medienrepräsentanten auch immer wieder seine Freude an den Ausschreitungen mitteilt und das ganze dann sehr objektiv berichtet(„Pflastersteine fliegen, Scheiben zerspringen, Wasserwerfer sind im Dauereinsatz“). Auch kommt es ab und an mal zu Ausflügen in die eher intelektuellen Kreise, wie bei diesen Ausführungen eines Punkers :“Spaß heißt saufen, kaputt machen, sich mit Bullen anlegen …Ich bin Punkrocker und ich schmeiß Mülltonnen“.
Die Musikalische Hintermalung des Filmes ist auch nicht schlecht, d.h. dass sich mehrere Deutschpunk- Bands zum Besten geben bei Lieder wie Pöbel & Gesocks und BGS.

„Dieser Film sollte ausschließlich in Gruppen nicht unter 5 Personen angeschaut werden, wobei der Genuss von alkoholischer oder anderer Mittel sehr hilfreich sein kann.“

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