In Deutschland kennt Aldi jeder, und auch in der Schweiz will der billig-Discounter Fuss fassen. Seit einem Halben Jahr ist die erste Aldi Filiale in der Schweiz erröffnet, in Eyholz,VS seit dem April. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aber auch hier eines erkennen: Hinter den Billig Preisen steckt eine ausgeklügelte Maschinerie die unter anderem auf Ausbeutung und repressiver Massnahmen basiert wie die Gewerkschaft UNIA mitteilt.
Aldi Suisse behauptet von sich selbst in einer Darstellung auf der eigenen Homepage, dass das Unternehmen ein verlässlicher und fairer Partner für Mitarbeitende sei. Nach einem Jahr konkreter Erfahrung mit der Detailhandelskette in der Schweiz wissen sowohl die Beschäftigten als auch die Gewerkschaft Unia, wie dies verstanden werden muss:
-Ausser der Filialleitung wird das Personal in aller Regel nur zu 50 Prozent angestellt. Aldi spart so unter anderem Pensionskassen- und Sozialversicherungsbeiträge, schafft sich auf billige Weise eine flexible Arbeitskräftereserve und verhindert die Bildung von starken Teams. Zudem verbietet Aldi seinen Mitarbeitenden per Vertrag, bei einem anderen Detailhändler eine ergänzende Anstellung anzunehmen, obwohl die Firma selbst nur eine Teilzeit-Beschäftigung anbietet.
-Bei Aldi wird auf Repression und gegenseitige Bespitzelung gesetzt. Wer z.B. eine Kollegin / einen Kollegen, der gegen eine interne Weisung verstösst, nicht beim Chef denunziert, riskiert eine fristlose Entlassung. Gleiches droht scheinbar den Beschäftigten auch, wenn sie gegenüber einer Gewerkschaft oder den Medien Auskunft über die Anstellungsbedingungen geben oder gar mit der Gewerkschaft in Kontakt treten und sich organisieren wollen.
-Für ehrenamtliche Tätigkeiten (z.B. auch in einer Gewerkschaft oder in einer politischen Partei) muss eine Bewilligung eingeholt werden.
-Sichtbare Körper-Piercings sind verboten. Weitere Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte müssen in Kauf genommen werden.
Trotz verschiedener Aufforderungen der Gewerkschaft Unia weigerte sich Aldi Suisse bisher, irgendwelche Gespräche über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu führen. Wer mit den Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsvertrag nicht einverstanden sei, könne sich ja beim Filialleiter melden, beschied Aldi der Gewerkschaft. Die Mitarbeitenden können sich die Konsequenzen einer solchen kritischen Intervention beim Filialleiter selbst ausmalen.
Natürlich lehnte es das Unternehmen bisher auch immer ab, auf Verhandlungen über einen möglichen Gesamtarbeitsvertrag GAV überhaupt einzutreten.
Ein Jahr nach dem Eintritt von Aldi auf den schweizerischen Markt muss festgestellt werden, dass hier das gleiche unsoziale, unfaire und gewerkschaftsfeindliche Konzept wie in Deutschland umgesetzt wird. Die Leidtragenden sind die Beschäftigten, die mit respekt- und rücksichtslosen Arbeitsbedingungen ausgebeutet werden und so den Preis für die aggressive Expansionspolitik des Unternehmens bezahlen.
Unia fordert von Aldi Suisse konkret:
-Korrektur der unfairen und unhaltbaren Anstellungsbedingungen
-Respektvollen Umgang mit dem Personal und Garantie der Grund– und Persönlichkeitsrechte
-Sofortigen Verzicht auf antigewerkschaftliche Repression und Gewährung der verfassungsmässigen Gewerkschaftsrechte
-Aufnahme von Gesprächen mit der Gewerkschaft Unia über die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und einen möglichen GAV.
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